DTD-Vorstand und Geschäftsstelle

Tanz als Mittel des Widerstands und des Dialogs

Tanz als Mittel des Widerstands und des Dialogs

„In jeder Note, in jeder Bewegung liegt die Kraft, Brücken zu bauen.“
(Martha Graham)  

Das neue Jahr ist gerade mal einen Monat alt und wir sehen uns mit Nachrichten über ein geheimes Treffen rechtsextremer und identitärer Kreise konfrontiert, auf dem allen Ernstes die sogenannte „Remigration“, de facto eine Deportation, von Menschen mit Migrationsgeschichte diskutiert wurde. Diese Enthüllungen zeigen erschreckend deutlich, wie intensiv rechte Kräfte hierzulande an der Zerstörung unserer Demokratie und unserer Werte einer vielfältigen Gesellschaft arbeiten.

Während sich Hunderttausende auf den Straßen versammeln, um für die freiheitliche Demokratie und die Diversität in unserer Gesellschaft zu demonstrieren, scheint sich jedoch gleichzeitig eine andere Spaltung abzuzeichnen – diesmal in der Kunstszene. Die Konflikte im Nahen Osten haben zu verhärteten Positionen geführt, die auch vor der Tanzlandschaft nicht Halt gemacht haben. Befeuert wird diese Polarisierung durch offene Briefe und Boykottaufrufe.    

Es ist schwer zu akzeptieren, dass der Raum für diverse Meinungen scheinbar schwindet, und dass diese Debatte genau jenen in die Hände spielt, die an der Demontage unserer Demokratie arbeiten.
Es ist offensichtlich, dass unsere Welt derzeit mit Krisen konfrontiert ist, die uns überfordern, die zu Ängsten und sozialen Spaltungen führen können. Als Dachverband einer so vielfältigen Tanzlandschaft möchten wir gemeinsam mit Euch darüber nachdenken, wie wir durch unsere Kunstform diesen Herausforderungen begegnen und verstärkt dazu beitragen können, Brücken zu bauen, Vorurteile zu überwinden und verbindend zu wirken.
Denn der Tanz ist mehr als nur Bewegung; er ist eine kraftvolle Sprache, die Menschen unterschiedlichster Herkunft verbindet. Die Vielfalt unserer Tanzgemeinschaft ist eine Stärke, die wir nutzen können, um positive Veränderungen in unserer Gesellschaft zu bewirken.

Die hier lebenden Tanzschaffenden kommen aus aller Welt. Mit ihren vielschichtigen und diversen Handschriften gestalten sie Bühnen und wirken im ländlichen wie in urbanen Räumen. Diversität zu leben ist die Praxis, die der Tanz wählt, um Unterschiede gemeinsam aufzuzeigen und zu feiern. Wir als Dachverband Tanz Deutschland, mit unseren Mitgliedsverbänden, Mitgliedsinstitutionen, den Archiven, mit Ballett- und Tanzensembles, freien Kollektiven, mit Produktionshäusern und Tanzschulen, mit Künstler*innen, Pädagog*innen und Wissenschaftler*innen – wir werden nicht zulassen, dass Menschen wegen ihrer Hautfarbe, Herkunft, Sprache und Religion, diversen Körpern oder unterschiedlichen sexuellen Orientierungen in diesem Land diskriminiert, bedrängt, ausgegrenzt oder gar gefährdet werden!

Lasst uns gemeinsam Wege finden, wie wir als Tanzschaffende einen Raum für differenzierte Meinungen und den Dialog zwischen unterschiedlichen Positionen schaffen können, wo wir einander zuhören, ohne die Grundprinzipien unserer Gesellschaft aus den Augen zu verlieren. Der Tanz kann nicht nur ein Ausdruck von Widerstand, sondern auch ein Mittel des Dialogs sein.
 

Der Vorstand und die Geschäftsstelle des DTD

31.01.2024