Ziel der folgenden Informationen ist es, auf das Thema sexualisierte Gewalt im Tanz aufmerksam zu machen und für die oft noch tabuisierte Problematik zu sensibilisieren, um letztendlich Risiken zu minimieren. Die Ethik-Kommission möchte damit alle Akteur*innen und Institutionen anregen, eigene und fremde Grenzen zu wahren und Schutz für alle zu schaffen. Die Zusammenstellung der Materialien kann dabei eine erste Übersicht bieten, denn erfreulicherweise gibt es schon viele hilfreiche Leitfäden, Konzepte und Empfehlungen.
Sexismus heißt, „Menschen aufgrund ihres Geschlechts zu beurteilen, wenn ihr Geschlecht keine Rolle spielt“
Sexismus beschreibt „die Äußerung von sexistischen Einstellungen durch Wort oder Handlungen“ (Caroline Bird 1968, zit. na. EAF Berlin. Diversity in Leadership (2025), S. 8)
Verwendung im Strafgesetzbuch für strafbare (weil prüfbare) Formen sexualisierter Gewalt; Etablierung im allgemeinen Sprachgebrauch für alle Formen sexualisierter Gewalt.
häufige Verwendung in der Fachsprache
umfassendste Bezeichnung für verschiedene Formen der Machtausübungen mit dem Mittel der Sexualität
Jede sexuelle Handlung, die an, mit oder vor Kindern und Jugendlichen gegen deren Willen vorgenommen wird oder der sie aufgrund körperlicher, seelischer, geistiger oder sprachlicher Unterlegenheit nicht wissentlich zustimmen können, wird als sexueller Missbrauch oder sexuelle Gewalt definiert. Der Täter oder die Täterin nutzt dabei seine/ihre Macht- und Autoritätsposition aus, um eigene Bedürfnisse auf Kosten Minderjähriger zu befriedigen.
Die folgende Grafik zeigt, dass auch scheinbar harmlose Fälle zum Gesamtproblem dazugehören. Sie bilden das Fundament für eine sexistische Kultur, die im Extremfall zu physischen wie psychischen Gewalttaten führt. Während Alltagssexismus Männer und Frauen gleichermaßen betreffen kann, sind die Opfer von sexueller Belästigung und sexuellem Missbrauch überdurchschnittlich oft weiblich. (Bei Kindern sind 2/3 der betroffenen Mädchen und 1/3 Jungen (die Statistik ist binär-geschlechtlich)).
Im Tanz steht der Körper im Mittelpunkt: er wird für die Tanzpraxis umgezogen, ausgezogen, angezogen, in der Tanzpraxis angeguckt, kommentiert, berührt und korrigiert.
Missbräuchliche Strukturen können begünstigt werden
a) durch ein besonderes Vertrauensverhältnis zwischen Lehrenden und Lernenden,
b) hohe Abhängigkeitsverhältnisse zwischen Tanzenden und Choreograf*innen / Intendant*innen und
c) hohen Leistungs- und Karrieredruck.
Diese Risikofaktoren gelten für alle Geschlechter.
Was und wer wie auf der Bühne gezeigt wird, prägt unser Bild von der Welt. Dabei ist alles relevant: die Inhalte, die Kostüme, die Musikauswahl, die Choreografie.
Sämtliche Aspekte können zur Reproduktion von stereotypen Geschlechterrollen und Sexismus beitragen; sie tragen gleichzeitig das Potenzial in sich, sie aufzubrechen und zu transformieren.
Die größte Hürde zur Bekämpfung von Sexismus und sexualisierter Gewalt ist ihre gesellschaftliche Tabuisierung (s. Lohaus 2025). Deshalb können bereits kleine Interventionen, unmittelbare Konfrontationen, Informationsmaterialien sowie klare Bekenntnisse dazu beitragen, wahrgenommene und erlebte Missstände im eigenen Feld aus der Tabuisierung herauszuholen.
Die folgenden Fragen und Links können ein erster Schritt sein, über potenzielle Missstände in der eigenen Organisation und in den eigenen Projekten zu sprechen, sich der Strukturen und Handlungsoptionen bewusst zu werden, um darauf aufbauend eine Vision zum Umgang mit der Problematik entwickeln zu können.
richtet sich an Institutionen, in denen Tanz ein Schwerpunkt der inhaltlichen Ausrichtung darstellt, z.B. Staatstheater, freie Häuser, Compagnien, Kulturorte, Ausbildungseinrichtungen, Netzwerke, Vereine, Programmverantwortliche, Intendant*innen, Choreograf*innen, Lehrende und Führungspersonen
richtet sich an Tänzer*innen an Häusern, in Compagnien, in der freien Szene oder an Teilnehmende in Tanzangeboten im Freizeitbereich
richtet sich an Personen, die Tanz unterrichten, Angebote in Bildungseinrichtungen (Schulen, Vereinen, Verbänden) und der freien Szene entwickeln sowie für konkrete Gruppen vorbereiten, durchführen und auswerten
BROSCHÜRE: Theater und Macht (Hrsg. Heinrich-Böll-Stiftung, 2021).
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HANDREICHUNG: Gemeinsam gegen Sexismus. Maßnahmen gegen Sexismus am Arbeitsplatz, in Kultur und Medien und im öffentlichen Raum (EAF Berlin. Diversity in Leadership, 2025). |
CHECKLISTE: Tools zum Thema Anti-Diskriminierung in Organisationen (Hrsg. Kanzlei Laaser, 2025). |
VERHALTENSKODEX: Zum ethischen Selbstverständnis des Dachverband Tanz Deutschland (2020)
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MUSTER: Dienstvereinbarung zur Prävention von Machtmissbrauch, Diskriminierung, Rassismus und Sexismus (Ethik-Kommission des DTD, 2023) |
EHRENKODEX: Ehrenkodex des Deutschen Bundesverbandes Tanz (o.J.) |
SELBSTVERPFLICHTUNG: Zur Gewaltprävention im deutschen Tanzsport (Deutscher Tanzsportverband, o.J.) |
SELBSTVERPFLICHTUNG: Zur antidiskriminierenden Haltung an Produktionshäusern (Zusammenschluss internationaler Produktionshäuser, 2024)
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ARTIKEL: Schutz an künstlerischen Hochschulen für Kulturschaffende von morgen (Antje Kirschning, in: Politik&Kultur, 2024)
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HANDLUNGSEMPFEHLUNG: Zum Umgang mit sexualisierter Diskriminierung und Gewalt an Kunst- und Musikhochschulen (Hrsg. Bundeskonferenz der Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten an Hochschulen e.V., 2023) |
HANDBUCH: Begegnung, Nähe, Grenzen. Ein Handbuch für den Hochschulalltag (Hrsg. Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt, 2022). |
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LEITFADEN: Zur Prävention von (sexualisierter) Gewalt im tanzpädagogischen Kontext (Landesarbeitsgemeinschaft Tanz NRW, 2023)
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INFORMATIONEN: Zum Kindeswohl (Aktion Tanz – Bundesverband für Tanz in Bildung und Gesellschaft, 2025) |
SCHUTZKONZEPT: Für das Handlungsfeld Kulturelle Bildung (Bundesvereinigung Kulturelle Kinder- und Jugendbildung, 2023) |
PUBLIKATION: Schutz vor sexualisierter Gewalt (Bundesvereinigung Kulturelle Kinder- und Jugendbildung, 2023) |
Für die Erarbeitung dieser Seite haben wir uns auf folgende Quellen gestützt: