Foto: Eva Radünzel
Vor 20 Jahren, am 13.03.2006 wurde die Ständige Konferenz Tanz e.V. – später umbenannt in Dachverband Tanz Deutschland e.V. – gegründet.
Voraus gingen seit 2004 eine Reihe von Treffen, welche Verbände, Institutionen und Persönlichkeiten des Tanzes zusammenbrachten.
Es war die Zeit des Tanzplan Deutschland, der von der Kulturstiftung des Bundes mit 12,5 Mio. ausgestattet, große Impulse in die Tanzszene setzte. Die Entwicklung des Dachverband Tanz war jedoch eine ganz eigene, vom Tanzplan unabhängige Bewegung. Eine Initiative, welche auf die Kulturpolitik des Bundes zielte. Sechs Jahre zuvor war der „Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien“ als Bereich im Bundeskanzleramt gegründet worden. Es gab also einen konkreten Ansprechpartner auf Bundesebene, und dieser Stelle gegenüber galt es, „mit einer Stimme für den Tanz“ zu sprechen.
Die ersten Jahre waren geprägt von Begegnungen unterschiedlicher Ästhetiken, unterschiedlicher Produktionsweisen und unterschiedlicher Gesprächskulturen. Die Ständige Konferenz verfasste Studien zur Situation des Tanzes, brachte verschiedene Initiativen auf den Weg, begleitete das Thema Transition.
Als im Jahr 2012 erstmals eine Förderung der Geschäftsstelle durch den Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien erfolgte, bedeutete dies einen großen Schritt in der Arbeitsfähigkeit des Dachverband Tanz Deutschland (DTD). Mit der Geschäftsstelle konnte die Kommunikation und die kulturpolitische Arbeit gestärkt werden.
Das Jahr 2016 – von den Mitgliedern des DTD mit Tanzplattform, Tanzkongress und Tanzmesse als „Tanzjahr 2016“ ausgerufen – brachte einigen Schwung in die Tanzszene. In diesem Jahr initiierte die Kulturstiftung des Bundes das Programm Tanzland – und betraute den DTD mit der Abwicklung. Zugleich beschloss der Bundestag den Start des TANZPAKT-Stadt-Land-Bund. Und mit Stolz erinnern wir uns auch an den Empfang des Bundespräsidenten für die Tanzszene.
Seit 2018 ist der DTD Veranstalter des Deutschen Tanzpreis und präsentiert auf der Bühne des Aalto-Theaters in Essen die Vielfalt der Tanzszene in Deutschland – mit den Preisträger*innen und Geehrten wie auch mit dem künstlerischen Programm der Tanz-Gala.
Wirkliche Ausnahme-Jahre kamen 2020 bis 2024 auf uns zu. Corona hätte das Aus für Tanzszene, für Künstler*innen, Ensembles und Tanzschulen bedeuteten können. Aber: in starker Partnerschaft mit zwei Förder-Institutionen – Joint Adventures und Bureau Ritter – ist es gelungen, die Tanzszene zu erhalten und zu stärken. Im Programm Neustart Kultur war das Hilfsprogramm Tanz eine der herausragenden Finanzierungen für die Rettung und Stärkung der Tanzszene.
Die Kehrseite der enormen Finanzmittel, die eingesetzt werden konnten, zeigt sich in den extremen Einschnitten in der Kulturfinanzierung seit 2024. Auf Bundesebene erhalten wir für keines der Tanzförderprogramme Erhöhungen. Jurys bei Tanzpakt und Nationales Performance Netz können nur noch einen Bruchteil der Anträge mit Fördermitteln des Bundes auf den Weg bringen.
Und zugleich sehen wir spannende Entwicklungen. In der Februar-Ausgabe von „Politik und Kultur“ machen wir einige dieser Bewegungen sichtbar. Die Szene wird selbstbewusster. Sei es im urbanen Tanz, der gerade – erst in Oberhausen, bald in Gelsenkirchen – das zweite Stadttheater als Basis gewinnt. Oder bei den Ensembles an Stadt- und Staatstheatern, für die Tarek Assam in der Zeitung des Kulturrates mehr Eigenständigkeit fordert.
Im 21. Jahr des Dachverband Tanz Deutschland wollen wir intensiver in den Dialog gehen – mit unseren Mitgliedern, mit den diversen Teilen der Tanzszene, mit der Kulturszene, mit Politik und Gesellschaft.